Reiz der Ordnung
Gedanken über den Siebdruck

Ordnung ist das halbe Leben! - Ein Sprichwort das uns allseits bekannt ist und viele von uns,mit einem Augenrollen kommentiert haben dürften.

In der Technik des Siebdrucks ist  das Vorbereiten,  Planen und Herrichten des Siebs, der eigentlich langwierige Prozess. Das Drucken selbst, ist meist schnell und effektiv. Ein Lächeln breitet sich aus, wenn man sein Blatt  unter dem Sieb hervorzieht und man sich von der Präzision dieser Technik überwältigen lässt. Der Reiz des Siebdrucks liegt in der Brillanz seiner Farben, den  Rastern oder stark kontrastierten Farbflächen. Je ordentlicher man vorgeht, je pedantischer man sein Blatt einpasst, desto perfekter wird das Resultat ausfallen. Die Gefahr besteht, dass man sich alleinig den Effekten hingibt und die Souveränität der eigenen Arbeit leidet.

Wenn Ordnung das halbe Leben ist, so muss folglich die andere Hälfte aus Unordnung bestehen?

Das Sieb und sein starrer Rahmen, die Maschen, die ein feines Raster bilden, erinnern mich an eine Ebene im Raum, ähnlich einem Reißbrett. Der Rahmen markiert die Grenze und das Raster ist das Ordnungssystem. Diese Ebene steht sinnbildlich für den imaginären Raum und seine Grenzen sind notwendige Markierungen, ohne die, wir nicht in der Lage wären mit der Begrifflichkeit von Raum und Zeit umzugehen. Das Raster  selbst, lässt sich unendlich weiterdenken und ist uns in den digitalen Medien ein vertrauter Partner.
Im Siebdruck wird die analoge Vorlagenherstellung genauso genutzt wie die Digitale.
Er bietet uns die Möglichkeit viele gestalterische Bereiche miteinander zu kombinieren.

Wie ein Musikstück gesampelt wird,  kann hier die Technik des Siebdrucks als Bricolage eingesetzt werden. Das wilde, spielerische und chaotische Wesen,  ist das Prinzip von Bricolage. Sie erschafft durch das unmittelbare Verknüpfen und Reorganisieren von Ereignissen neue  Strukturen und Kontexte.
Siebdruck ist nur eine Technik, sie bewahrt uns nicht vor der Auseinandersetzung mit uns Selbst und Inhalten. Sie bietet uns aber die Möglichkeit an, wie Bricolage, uns einem unmittelbaren Prozess mit beobachtbaren Wiederholungen hinzugeben, um aus ihm zu lernen und Grenzen zu überschreiten.

Benoít Mandelbrot formulierte es so:  "Wolken sind keine Kugeln, Berge keine Kegel, Küstenlinien keine Kreise.
Die Rinde ist nicht glatt – und auch der
Blitz bahnt sich seinen Weg nicht gerade."  —
B. Mandelbrot, The Fractal Geometry of Nature

© Text: Larissa Leverenz

Text: © by Larissa Leverenz

weitere Texte:
Tempted To Doubt, Sala Terrena 2012
© Larissa Leverent & Kirsten Borchert

Tempted To Doubt, (Eng.)
© translated by Philippa Stockert

Enola Gay
Ruhrbiennale 2012
© Larissa Leverent & Kirsten Borchert

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