ENOLA GAY - PRESSETEXT

Der klingende Name "Enola Gay" lässt die Gedanken schweifen, in eine Welt von Scarlett O`Hara oder Jill Mc Bain, angesiedelt an einem Ort, der den Südstaaten ähneln könnte.

Der Wunsch des Menschen nach einem "Happy End", steht im Zusammenhang mit seinem Bedürfnis nach Vollkommenheit.  Schon früh fängt er an seine Umwelt zu ordnen, Sammlungen anzulegen, die im Kindesalter von eklektischer und spielerischer Natur sind und später zu komplexen Systemen ausarten können.
Das Sammeln wird zu einem zwanghaften Drang, der wie eine Sucht, den Sammler zum Jäger mutieren lässt.
Das anfängliche Spiel, droht zu kippen und offenbart uns das verborgene Potenzial von Konkurrenzverhalten und Kampfbereitschaft.

Am Anfang herrscht noch Ordnung, wenn der Besucher die Szenerie von "Enola Gay"  betritt. Symmetrisch angeordnete Stapel von gesammelten Comicheften, penibel aufgeschlichtet, in der Mitte ein Jägerstand, der empor ragt. An den Wänden hängen große Bildtafel mit Faltanleitung
zum Bau von Papierfliegern, die jedem Stapel zugeordnet sind.

Bei einem performativen Akt während der Eröffnung, werden Seiten aus den Comics
gerissen und zu Papierfliegern gefaltet. Am Ende der Ausstellung bleiben zerrissene Comics und halb zertrampelte Flieger zurück, die anfängliche Ordnung weicht dem Chaos.

In unserer Installation „Enola Gay“ spielen wir mit der sensiblen Grenze von Spiel und krimineller Handlung. Unsere Besucher werden verführt und nehmen in Kauf, Relikte,  für einen Moment des Glücks zu zerstören. Aber ist es nicht auch gleichzeitig das Loslassen, dass Platz schafft für diese Transformation, die aus der langweiligen Ordnung  ein kreatives Chaos schafft?
Comics  vergegenwärtigen uns die eigene Jugend und Kinderzeit, in der unsere Superhelden, die Welt in eine bessere verwandelten und die Bösen gerächt und bestraft wurden.
Eine gewisse Sentimentalität und Unschuld haftet diesen Erinnerungen an.
Wunsch und Glauben verschmelzen in der romantischen Welt von "Enola Gay" zu einer makabren und absurden Wirklichkeit. Denn es war der B 29 Bomber,  "Enola Gay", den der Pilot Paul W. Tibbets  flog und  mit "Little Boy" am 6. August  1945, die erste Atombombe auf Hiroshima abwarf.

© Text: Larissa Leverenz & Kirsten Borchert

Enola Gay
eine Installation zur 2. Ruhrbiennale, Dortmund 2012
© Larissa Leverent & Kirsten Borchert

weitere Texte:
Text for the catalogue of the exhibition
Tempted To Doubt
© Text: Mag. Dr. Renée Gadsden, 2012

Tempted To Doubt, (EN)
translated by Philippa Stockert

Text for the catalogue of the exhibition
Tempted To Doubt, Text & Concept: © Larissa Leverenz & Kirsten Borchert
Sala Terrena|Exhibition center of the University of Applied Arts Vienna
Heiligenkreutzerhof, 1010 Vienna, Austria

 

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